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Klimabericht Rheinland-Pfalz

Der erste Klimabericht für Rheinland-Pfalz wurde im Dezember 2007 durch Umweltministerin Margit Conrad der Öffentlichkeit präsentiert. Art, Ausmaß und Folgen der bisherigen Klimaveränderungen werden beschrieben und Anpassungsoptionen sektorspezifisch (z.B. für Wasser, Naturschutz, Land- und Forstwirtschaft, sowie Gesundheit) dargestellt.

   

Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse:

1. Klimawandel in Rheinland-Pfalz: Ausgewählte Aussagen zu beobachteten bzw. möglichen Folgen 

1.1 Temperatur
In Rheinland-Pfalz betrug die mittlere Erwärmung 0,8 Grad Celsius und entspricht damit dem bundesweiten Trend. Am größten ist die Erwärmung im Winter mit einer Temperaturerhöhung von 1 Grad Celsius bis 2 Grad Celsius. Mit 0,5 Grad Celsius bis 1,5 Grad Celsius ist die Erwärmung im Frühjahr und Sommer etwas geringer. Der Herbst ist im nordöstlichen Rheinland-Pfalz (Westerwald) in den letzten 50 Jahren im mittleren Trend (-0,5 Grad Celsius) sogar etwas kühler geworden. In den übrigen Regionen ist das Temperaturmittel im Herbst nahezu gleich geblieben oder geringfügig angestiegen (+0,5 Grad Celsius).
 
Für Deutschland wurde bis 2100, je nach Treibhausgasemissionen, eine Erwärmung zwischen 2,5 Grad Celsius und 3,5 Grad Celsius prognostiziert. Ein Rahmen, in den sich auch Rheinland-Pfalz einfügen wird. Der beobachtete Trend der winterlichen Erwärmung wird sich nach heutigen Erkenntnissen fortsetzen. 
 

1.2 Niederschläge

  • Im Niederschlagstrend der letzten 50 Jahre sind Frühling, Herbst und Winter nahezu in ganz Rheinland-Pfalz feuchter geworden. Die Sommermonate zeigen hingegen eine deutlich fallende Tendenz der Niederschlagshöhen. Eine Fortsetzung dieses Trends wird erwartet.
  • Winterliche Starkniederschläge nehmen an Heftigkeit und Häufigkeit zu.


1.3 Wasser

Eine Zunahme der Westwetterlagen bedeutet höhere Niederschläge. Aufgrund höherer Winterniederschläge ist abzusehen, dass die Hochwassergefahr im Winterhalbjahr steigt. Die Anzahl der Hochwasserereignisse hat sich in den letzten 30 Jahren um ca. 25 Prozent erhöht. In einigen Regionen von Rheinland-Pfalz kann auf Grund höherer Winterniederschläge mit steigenden Grundwasserständen gerechnet werden. In anderen Regionen kann es aufgrund von Trockenperioden im Sommer durchaus zur lokal begrenzten Absenkung des Grundwasserspiegels kommen.

1.4 Vegetation und Landwirtschaft

  • Die Vegetationsperiode beginnt früher und dauert länger.
  • Es kann möglicherweise räumlich und zeitlich begrenzt zu Ertragseinbußen in der Landwirtschaft kommen, bedingt durch höhere Temperaturen, eingeschränkte Wasserversorgung oder extreme Wetterereignisse (z.B. Hagel, Starkniederschläge). Die verlängerten Vegetationszeiten in Verbindung mit moderatem Temperaturanstieg und ausreichender Wasserversorgung können hingegen auch zur Erhöhung des Ertragspotentials führen.
  • Indirekte Ertragseinbußen ergeben sich aufgrund von steigendem bzw. sich veränderndem Schädlingsbefall und zunehmenden Krankheiten von Anbaupflanzen.


1.5 Forstwirtschaft

  • Sturmschäden und Trockenstress verstärken sich gegenseitig. Hinweise darauf gibt es bereits in den letzten Waldzustandsberichten.

  • Schadinsekten, die in Südeuropa relevant waren (Beispiel: Eichenprozessionsspinner), kommen verstärkt auch im Norden vor.
  • Der Wald in Rheinland-Pfalz wird sich tendenziell und regional in seiner Zusammensetzung zu wärme- und trockenliebenden Baumarten verändern.
     

1.6 Fauna

  • Es gibt Hinweise, dass sich Verbreitungsareale von Tier- und Pflanzenarten nach Norden verschieben oder in den Mittelgebirgen aufwärts ziehen.
  • Wärmeliebende Arten wandern von Süden her ein (z.B. Bienenfresser).
  • Vogelzug und Brutverhalten (z.B. frühere Eiablage der Kohlmeise) verändern sich.

  

2. Klimawandel - ausgewählte Aussagen zu möglichen Maßnahmen und Anpassungsoptionen



2.1 Wasserwirtschaft
Grundsätzlich ist unser Hochwasserschutz "klimawandeltauglich". Unsere Strategie der Versickerung und Rückhaltung in der Fläche, die Aktion Blau sowie die Ausweitung des Hochwassermeldedienstes auch auf die kleineren Flüsse bewähren sich vor dem Hintergrund zunehmender extremer, auch kleinräumiger Regenereignisse.
 
Folgende Maßnahmen müssen jedoch auch in Zukunft fortgesetzt werden: 

  • Weitere Umsetzung des Drei-Säulen-Hochwasserschutzkonzeptes (Hochwasserschutz in der Fläche, Technischer Hochwasserschutz, Hochwasservorsorge). Erreichung einer 200-jährigen Hochwassersicherheit für den Oberrhein / konkrete Planung von Reserveräumen für Extremhochwasser (Vorsorgeansatz).
  • Weiterführung der "Aktion Blau" zur Renaturierung / Revitalisierung der Flüsse und Bäche für dezentralen Hochwasserrückhalt auf der Fläche (Vermeidungsansatz).
  • Die Versorgungsverbünde zum überregionalen Mengenausgleich in der Trinkwasserversorgung, die wir zurzeit fördern, sind beispielhafte Maßnahmen der Anpassung (Vorsorgeansatz). Diese und die Gewässerbewirtschaftung in der Vorderpfalz durch Schaffung großräumiger Verbundsysteme müssen weiter ausgebaut werden. 

Es gibt noch weiteren Forschungsbedarf. Deswegen führen wir z.B. das Projekt "Klimaveränderungen und Konsequenzen für die Wasserwirtschaft (KLIWA)" zusammen mit Baden-Württemberg und Bayern durch (bereits begonnen):

  • Ermittlung bisheriger Veränderungen des Klimas und des Wasserhaushaltes.
  • Abschätzung der Auswirkungen möglicher Klimaveränderungen auf den Wasserhaushalt.
  • Messprogramm zur Erfassung künftiger Veränderungen des Klimas und des Wasserhaushaltes.


2.2 Forstwirtschaft
Landesforsten setzt nicht erst seit heute auf die Vielfalt von Baumarten. Anpassungsstrategien sind hier die Fortführung von:

  • Risikostreuung durch Vielfalt und rechtzeitige Waldumbaumaßnahmen.
    Förderung der genetischen Vielfalt.
  • Naturnahem Waldbau und die kontinuierliche Erhaltung einer Vegetationsbedeckung.
  • Förderung und Erhaltung der Bodenporenstruktur durch Schutzkalkung und durch Förderung von ökologisch stabilen Mischwäldern.


2.3 Landwirtschaft 

  • Anbau angepasster Arten und Sorten (wärmeliebend, hitzetolerant). 
  • Anpassung von Anbau- und Fruchtfolgesystemen. 
  • Differenziertes Bewässerungs- und Düngemanagement. 
  • Konservierende Bodenbearbeitung.


Foto: Dr. P. Sound

2.4 Natur- und Artenschutz

Der Biotopverbund erhält eine Bedeutung als Wanderungsachse. 
Veränderung des Naturschutzes im Sinne eines dynamischen Artenschutzes und Zielartensysteme. Vernetzung und Dynamik innerhalb der naturschutzrelevanten Flächen zur Erhaltung der Biodiversität. Vielfalt ist ein Schlüsselbegriff für die Natur und ihre Anpassungsstrategie an klimatische Veränderungen. 
 
 

Die komplette Fassung des Klimaberichts für Rheinland-Pfalz finden Sie hier.

Die Forschung geht jedoch weiter, wie das Projekt über den Klimawandel und seine Folgen in Rheinland-Pfalz - KlimLandRP - zeigt.

Klimabericht Rheinland-Pfalz

Titelbild Klimabericht

Download und Inhalt:

Gesamtbericht (6,67 MB)

Vorwort und Inhaltsverzeichnis (2,26 MB)

1. Einführung (142 KB)

2. Ziele und Grundsätze der Klimapolititik (196 KB)

3. Klimawandel und Folgen von Klimaveränderungen:

  • Klimatische Situation in Rheinland-Pfalz (205 KB)
  • Klimawandel in Rheinland-Pfalz (3,32 MB)
  • Allgemeine Folgen der Klimaveränderungen   (262 KB)
  • Spezifische Folgen der Klimaveränderungen und Anpassungsoptionen  (1,62 MB)

4. Zusammenfassung          (28 KB)

- Anhang (2,55 MB)